28. Oktober 2026

Pressemitteiling | Kuriose Geschichten von den Ostfriesischen Inseln: Darum hat Baltrum keine Straßennamen, Spiekeroog einen Eierscheeterplatz und Juist einen hübschen Po

Warum gibt es auf Baltrum eigentlich keine Straßennamen? Wieso hat Wangerooge ein „e“ mehr als Spiekeroog und Langeoog? Warum hat Juist einen Po? Und was bitte ist ein Eierscheeterplatz? Die Ostfriesischen Inseln haben viele originelle und ungewöhnliche Geschichten zu erzählen. Die Erklärungen reichen von kurios bis spannend.

Warum Wangerooge ein „e“ mehr hat und Baltrum keine Straßennamen
Schon bei den Namen der sieben Ostfriesischen Inseln beginnt das erste Rätselraten. Während sich zum Beispiel bei Langeoog („Lange Insel“) der Ursprung ganz einfach erklärt, kommt wiederum die Frage auf, warum Wangerooge („Wanga“ bedeutet im Altgermanischen „Wiese“ oder „Ebene“) ein „e“ mehr im Namen trägt als Spiekeroog und Langeoog. Die Antwort führt ins Jahr 1885: Bis dahin war das „e“ nämlich noch nicht da. Das kam erst durch einen Erlass des Großherzogtums Oldenburg dazu, obwohl die Inselbewohner dagegen waren. Aber was der Herzog will… Zur Erklärung: Wangerooge gehört historisch nicht zu Ostfriesland, sondern zum Jeverland und zum alten Herrschaftsgebiet des Hauses Oldenburg.
Auf Baltrum wiederum ist der Ursprung des Inselnamens ungeklärt. Es gibt zwar verschiedene Theorien, aber keine ist bewiesen. Dafür bietet Baltrum ein echtes und gut begründetes Kuriosum: Auf der kleinsten Ostfriesin sucht man Straßennamen vergeblich. Die Häuser sind nur nummeriert – und das wild durcheinander. Der Grund: Früher gab es nur wenige Dünen- bzw. Sandwege, Straßennamen waren unnötig, Die mehr als 320 Häuser sind nach dem Zeitpunkt der Erbauung nummeriert. Je höher die Hausnummer, desto jünger ist das Haus. Ausnahmen sind, wenn nach einem Abriss auf dem Grundstück neu gebaut wurde. Dann blieb die Nummer erhalten.

Warum läuten die Kirchenglocken auf Wangerooge täglich drei Minuten vor fünf Uhr?
Das vorzeitige Läuten der Kirchenglocken erinnert an Luftangriffe der Alliierten zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Am 25. April 1945 warfen 482 britische, kanadische und französische Bomber über 6000 Sprengbomben in nur 15 Minuten über Wangerooge ab. Rund 300 Menschen kamen damals ums Leben. Um an den Angriff zu erinnern, läuten deswegen täglich um kurz vor 17 Uhr die Kirchenglocken auf der Insel.

Wie eine Möwe den Kaiser auf Norderney ersetzte
Auch auf Norderney gibt es eine „Kriegs-Geschichte“: Mitten auf der Insel steht das 1898 errichtete Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Das wurde aus 75 Steinblöcken zusammengesetzt, die von deutschen Städten, Provinzen und Privatpersonen gestiftet worden waren. Bemerkenswert: Ein Block stammt aus der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer, einer aus dem Frankfurter Römer. Ursprünglich war das Denkmal mit einer Bronzebüste von Kaiser Wilhelms I. und einem preußischen Adler geschmückt. Doch 1917 wurden Büste, Adler und eine metallene Gedenkplakette als Metallspenden für Rüstungszwecke entfernt. Erst 20 Jahre später wurde der Kaiser ersetzt – durch eine von der Gemeinde Norderney gestiftete steinerne Möwe. Und dort steht sie noch heute.

Warum wird auf Borkum der Maibaum erst zu Pfingsten aufgestellt?
Eigentlich wird der klassische Maibaum zum 1. Mai aufgestellt. Nicht so auf Borkum: der Börkumer Maiboom kommt erst am Pfingstsamstag. Der Grund dafür liegt in der Insel-Vegetation, die aus klimatischen Gründen einige Wochen hinter der des Festlandes hinterherhinkt. Entsprechend wird das Symbol der Fruchtbarkeit und des Wachstums später aufgestellt.

Was ist der Eierscheeterplatz auf Spiekeroog?
Ein Eierscheeterplatz ist aus dem Plattdeutschen übersetzt ein Eierschießerplatz. Er geht auf einen alten Osterbrauch zurück, der sich bis in die 1970er-Jahre hielt. Die Insulaner kamen damals am Ostersonntag zusammen, um hart gekochte und mit Zwiebelschalen rotgefärbte Euer möglichst weit zu werfen. Heute ist die damalige Wurf-Fläche ein geschütztes Gebiet.

Was hat das Westende von Juist mit einer Pobacke zu tun? 
Das Westende von Juist trägt den Namen Bill. Vermutlich leitet sich der Name vom friesischen Wort „Bille“ ab. Das heißt so viel wie „Pobacke“. Gemeint ist damit die runde, ausgeprägte Form des Sandkopfes am Westende Juists. Auch andere Quellen führen die Rundungen der Sandbänke rund um die Westspitze als Ursprung an. Deshalb ist die scherzhafte Übersetzung „Bill = Popo“ zwar stark vereinfacht, im Kern aber richtig.
Das Bill ist nicht der einzige originelle Name auf Juist: Die Insulaner nennen ihren Wasserturm liebevoll Doornkaatbuddel. Warum? „Buddel“ ist ein anderes Wort für Flasche und der Turm erinnert sie in seiner Form an die Flasche der Spirituosenmarke Doornkaat.

Woher kommt der Name des Café Puddings auf Wangerooge?
Das beliebte Café Pudding auf Wangerooge steht auf einer Düne, die während des Zweiten Weltkriegs als Bunkeranlage diente. Der Name kommt von der norddeutschen Redewendung „Ich geh mal um den Pudding“, was so viel meint wie „ich gehe mal eben eine Runde“. In diesem Fall um die Stranddüne. Ein Tipp: Auf der Speisekarte des Cafés steht natürlich auch Pudding – Schokopudding mit Vanillesauce.

Wieso heißt Langeoogs höchste Erhebung Melkhörndüne?
Die rund 20 Meter hohe Melkhörndüne ist die höchste Erhebung der Insel Langeoog und ein wunderbarer Aussichtspunkt. Ihren Namen hat sie der damaligen Meierei zu verdanken, wo bis 1952 Kühe gemolken wurden. Denn „Melkhörn“ bedeutet Melk-Ecke. Heute ist in der ehemaligen Meierei ​das Ausflugslokal

„Meierei​“, das berühmte für seine selbstgemachte Dickmilch mit Sanddorn.​

Wie kamen die Inseln zu ihren Wäldchen?
Einige der Ostfriesischen Inseln wie zum Beispiel Spiekeroog, Borkum und Langeoog haben ein Wald. Während die Bäume auf Spiekeroog im 19. Jahrhundert zum Küstenschutz gepflanzt wurden, entstand das Langeooger Inselwäldchen auf dem ehemaligen Flugplatz der Wehrmacht. Nach dem Ende des Krieges wurde er von den Alliierten zerstört. Stattdessen wurden dort Baumsetzlinge (vor allem Kiefern und Birken) gepflanzt, woraus sich der heutige Wald mit schönen Wander- und Radwegen entwickelt hat. Das Waldgebiet Greune Stee auf Borkum (Plattdeutsch für „grüne Stelle”) wurde wiederum vor über 100 Jahren von dem Lehrer Anton Scharphuis mit seinen Schülern angelegt und ist heute unter anderem ein wichtiges Brut- und Lebensgebiet für zahlreiche Sumpf- und Vogelarten.

Warum gibt es auf Norderney einen Herren- und einen Damenpfad?
Heute darf dort jeder entlangspazieren, aber einst waren der Herren- und der Damenpfad streng nach Geschlechtern getrennt, wenn es um den Weg zum Baden ging. Am Meer gab es entsprechend zwei getrennte Strandabschnitte: den Damen- und den Herrenstrand. Die Badegäste wurden mit sogenannten Badekarren ins Wasser gebracht. Diese fahrbaren Kabinen ermöglichten einen weitgehend unbeobachteten Einstieg in die Nordsee.  Besonders streng waren die Vorschriften für Männer: Während der Badezeiten durften sie weder den Damenstrand noch die dortige Promenade betreten. Wer sich nicht daran hielt, kassierte schnell eine empfindliche Geldstrafe. Erst 1909 wurde östlich der Georgshöhe ein Familienbadestrand eingerichtet. Allerdings hatten ausschließlich Angehörige derselben Familie Zutritt, die gemeinsam baden wollten. Ein einzelnes Familienmitglied durfte das Familienbad nicht benutzen. Übrigens: Diese Art der Geschlechtertrennung gab es auch auf den anderen Inseln wie zum Beispiel auf Wangerooge, Spiekeroog und Juist.

Weitere Informationen unter: www.ostfriesische-inseln.de


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Nina Genböck
nina.genboeck@genboeckpr.de
Tel.: 030 22487701

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