13. November 2024

Pressemitteilung | Schaurig schön: Wie die Perchtenläufe aus dem Tiroler Alpbachtal zur Paris Fashion Week kamen

Die Perchtenläufe im Tiroler Alpbachtal sind mehr als nur ein uraltes Ritual: Hier lebt ein Brauchtum weiter, das seit Jahrhunderten über Generationen weitergegeben wird. Während der Ort Breitenbach am Inn noch strikt am Überlieferten festhält, zeigt sich in anderen Orten, wie das Traditionelle behutsam mit der Zeit gehen kann – und auf einmal zur Pariser Fashion Week eingeladen wird. Die Perchten, das sind wilde Gestalten mit schaurigen Holzmasken und schweren Kostümen aus getrockneten Maisblättern, die, begleitet von krachenden Trommel-Rhythmen, durch das Dorf ziehen, um die bösen Geister des Winters zu vertreiben. Wer dieses faszinierende Spektakel erleben möchte, der sollte am 5. oder 6. Dezember die Tourismusregion Alpbachtal besuchen.

Wenn sich Anfang Dezember die Dämmerung über das Tiroler Unterland legt, verwandeln sich die Dörfer im Alpbachtal in mystische Schauplätze des Perchtenbrauchtums. Das „Peaschtl-laffn“ ist hier nicht nur eine Tradition, sondern ein fest verwurzelter Bestandteil des Dorflebens – und ein Spektakel.

Die Wiege des Brauchs liegt in Breitenbach am Inn – so sagt man. Wenn hier Kinder das Wort „Peaschtln“ hören, bekommen sie glänzende Augen. Denn für die Kinder von Breitenbach am Inn ist er der absolute Höhepunkt des Jahres. Deswegen gibt es auch zahlreiche Kinder-Passen, in denen sich junge Buben mit leidenschaftlichen Herzen einer Tradition widmen, die schon ihre Vorväter gepflegt haben. Rund um das Jahr 1900 hielt man den wunderbaren Brauch erstmals schriftlich fest. Alle Passen – das sind Gruppen aus Breitenbach am Inn, Angerberg und Mariastein – halten sich auch heute noch genau an die alten Rituale, denn schließlich handelt es sich um keinen Faschingsumzug mit Masken aus Plastik. Das Peaschtln ist ein urtümlicher Brauch aus längst vergangenen Tiroler Zeiten.

Mit Kettensägen geschnitzt: Die Kunst der Holzmasken und Larven

Deswegen existieren auch noch die schaurig schönen alten Holzmasken. Die Namen der damaligen Holzschnitzmeister werden von den Einheimischen noch immer mit Ehrfurcht ausgesprochen. Die Schnitzer haben in den Dörfern nahezu Kultstatus. Aber natürlich werden auch heute noch Masken geschnitzt, wenngleich sich die Methoden ein wenig verändert haben. Schließlich werden die „Larven“, also die Masken, mit Motorsägen aus Zirbenholz-Blöcken geschnitten. Dazu bedarf es viel Geschick und Präzision. Die furchteinflößenden Hörner werden dann anschließend montiert. „Früher haben die Männer Ruß ins Gesicht geschmiert, da sie ja noch keine oder nur spärliche Larven besaßen“, ergänzt Barbara Moser. Die Breitenbacherin ist eine absolute Expertin für diesen Brauch und hat schon mehrere Bücher darüber verfasst. In den umliegenden Orten hat sich die Tradition um den Ruß weiterentwickelt und es wird heute oft auch das Gesicht unter den Larven geschwärzt.  

Hexen, Hupfer und Trommler in den Ursprungsgemeinden und Tamperer

Was muss man sich also unter dem originalen „Peaschtln“ vorstellen? In etwa 25 Männer schließen sich zu einer Gruppe, die Pass genannt wird, zusammen. Wobei jeder in eine bestimmte Rolle schlüpft. Dem Zug voraus geht die „Hex“ (ein Mann), denn schließlich ist sie die Zeremonienmeisterin. Dann folgen die „Trommler“ und die „Blaser“. „Und zwar immer in der gleichen Reihenfolge, denn die Aufstellung des Zuges ist strikt festgelegt“, erklärt Barbara Moser. Die Trommler, oder auch Tamperer genannt, erzeugen mit Holzschlägeln auf alten Benzinkanistern ganz bestimmte Rhythmen. Die Blaser sorgen für schaurige Klänge, wenn sie mit Bock- und Signalhörnern den Zug anfeuern. In Breitenbach gibt es nur einen Rhythmus, in den umliegenden Orten haben die Gruppen in etwa 15 verschiedene Rhythmen im Repertoire – pro Saison.

Gewänder aus Maisblättern 

Den Abschluss bilden in Breitenbach am Inn die sogenannten „Hupfer“, also Springer, die Glocken und Schellen an ihren Gewändern haben. Apropos Kostüme. Die Mitglieder der Passen arbeiten bereits im Sommer an den Kostümen, denn es ist sehr viel Arbeit, die imposanten Gewänder aus getrockneten Maisblättern herzustellen. Dafür sehen sie sensationell aus, die „Maisbratschen-Gewänder“, die richtig schwer werden können. Die Hupfer sind leichter, schließlich wird die Höhe ihrer Luftsprünge darüber entscheiden, wie hoch das Getreide und die anderen Feldpflanzen wachsen werden. Die Luftsprünge sollen auch Glück und Gesundheit bringen.

Die Hexe kehrt die bösen Geister aus dem Haus

Die verschiedenen Passen ziehen von Haus zu Haus. Angeführt von der Hex. „Nur beim Verlassen der Häuser ändert sich die Reihenfolge, denn da geht die Hex als Letzte“, erzählt Moser. Aber das ist ja auch logisch, schließlich kehrt sie mit ihrem Besen die bösen Geister aus dem Haus hinaus. Vor dem Haus steht dann oftmals schon die nächste Gruppe, die zu Besuch kommt. Allein in Breitenbach am Inn gibt es rund 50 Passen. Da ist ordentlich Bewegung und Lärm im Ort. Nicht vor der Kirche: Denn so will es der Brauch. An dem Haus des Herren ziehen die Perchten in andächtigem Schweigen vorbei.

Die moderne Seite eines uralten Brauchs

Natürlich steht auch dieser Brauch im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Deutlich sieht man das bei der „Seidä Pass“ aus Kramsach. Hier und in den umliegenden Dörfern des Alpbachtals haben die Gruppen dem Brauch ganz neue Elemente hinzugefügt. Martin Knapp, Tamperer des Seidä Pass, erklärt: „Die Wurzeln respektieren wir sehr, aber es gibt immer auch Raum für Neues.“ So trifft man in diesen Passen auf viel schwerere Gewänder mit bis zu 50 Kilogramm, längeren Hörnern und feurige Hexentänze. Zudem gibt es statt den „Hupfern“ die so genannten „Läufer“, wendige Fellteufel, welche mit Martinshörnern – der sogenannten „Bahnerla“ – die Rhythmen hupend untermalen und so manchen Zusehern auch Ruß ins Gesicht schmieren. „Wir sind nicht nur Bewahrer, sondern auch Gestalter,“ lacht Knapp, der seit über 15 Jahren dabei ist. Damit alles im Takt läuft, wird im Herbst regelmäßig geprobt. Und weil das Üben auf Metallkanistern einen ohrenbetäubenden Lärm in der Nachbarschaft auslösen würde, schlägt man kurzerhand auf Holz. „Wir üben Rhythmen grundsätzlich auf Holztischen, das ist leiser und die Schläge werden aufgrund des geringeren Halls präziser“, so Knapp.

Aus dem Alpbachtal zur Pariser Fashion Week

Ein außergewöhnliches Ereignis für den Seidä Pass war ein Auftritt inmitten der modischen Avantgarde, der die Gruppe weit über die Region hinaus bekannt machte. Vor einigen Jahren erlangte eines ihrer Videos auf Social Media internationale Aufmerksamkeit. Die Rhythmen und das Erscheinungsbild des Seidä Pass fesselten das Publikum weltweit und zogen schließlich die Aufmerksamkeit des belgischen Modedesigners Walter Van Beirendonck auf sich. Die Anfrage kam überraschend – man wollte den Seidä Pass auf der Pariser Fashion Week sehen. „Wir dachten erst, das sei ein Scherz,“ erzählt Knapp, „aber der Designer hatte tatsächlich unser Video gesehen und wollte uns als Teil seiner Show dabeihaben.“ Der Auftritt sorgte für Aufsehen und wurde in der New York Times und Vogue erwähnt. Die 15 Stunden Busfahrt für 15 Minuten Auftritt hatten sich gelohnt.

Trotz globaler Bekanntheit empfinden die Mitglieder der Pass das Peaschtln als lokalen Brauchtum und sie freuen sich, wenn Menschen zu ihnen in die Orte des Alpbachtals kommen, um diese wunderbaren Rituale am 5. und 6. Dezember gemeinsam zu erleben. Der Hexentanz in Rattenberg ist eine Besonderheit, die jedes Jahr am Abend des 6. Dezember in den historischen Gassen der Stadt stattfindet. Feuer und die Rhythmen der Trommler begleiten den Tanz. Hunderte Zuschauer sind jedes Jahr dabei. Gebannt verfolgen sie, wie Tradition und die Interpretation davon zu einem unvergesslichen Spektakel verschmelzen. „Hier trifft das Alte auf das Neue, und für einen Abend wird Rattenberg zum Zentrum des Perchtenbrauchtums“, sagt Martin Knapp abschließend.

Weitere Informationen sind unter www.alpbachtal.at verfügbar.


Pressebilder


Download der Presseinformationen


Pressekontakt

Nina Genböck
nina.genboeck@genboeckpr.de
Tel.: 030 22487701

Sie suchen weiteres Bildmaterial?

Zum Bildarchiv

Das Alpbachtal liegt in Tirol inmitten der Kitzbüheler Alpen, dem Rofangebirge und den Brandenberger Alpen und nur 1,5 h von Salzburg und München entfernt. Es besteht aus dem vom Alpbach durchflossenen Seitental des Inns und der durch zahlreiche Seen geprägten Region vor dem Eingang des Tals. In der Region liegen neun Dörfer: Alpbach, Reith im […] mehr

Alpbachtal Tourismus - Weitere Pressemeldungen

2-Bilder (3)
25. Juni 2026

Kurznachrichten: Den Römern auf der Spur beim Erlebnis Donaulimes | Busse im Gasteinertal fahren im neuen 15-Minuten-Takt

2000 Jahre Geschichte an einem Tag entdecken: Am 2. August findet das Erlebnis Donaulimes mit vielen Veranstaltungen entlang der einstigen Grenze des römischen Reiches statt. ++ Die Region Gastein macht den öffentlichen Verkehr im Tal noch attraktiver für Gäste und Einheimische: Seit Ende Mai fahren die Busse zwischen Dorfgastein, Bad Hofgastein, Bad Gastein und Sportgastein im 15 Minuten-Takt.

Mehr erfahren

Das hat die historische Altstadt von Innsbruck auch noch nicht gesehen: Die AREA 47 verwandelt eine Stadtrundfahrt in ein aufregendes Rafting. © AREA 47, Christoph Nösig
24. Juni 2026

Pressemitteilung | Neu: Rafting in Innsbruck – AREA 47 startet einzigartiges Sightseeing-Format

Europas größter Outdoor-Park, die AREA 47 im Ötztal, startet ein neues Sightseeing-Format in Innsbruck: Erstmals kann in Österreich eine Landeshauptstadt bei einer Rafting-Tour erkundet werden. Begleitet wird es von professionellen Guides, es ist für alle Altersklassen ab sechs Jahren geeignet – und barrierefrei. Das Angebot ist in diesem Sommer vom 13. Juli bis zum 31. August buchbar.

Mehr erfahren

Wer fleißig gearbeitet hat, kann sich auf Wangerooge ein Mittagspäuschen im Strandkorb gönnen. © Kurverwaltung Wangerooge
17. Juni 2026

Pressemitteilung | Workation auf den Ostfriesischen Inseln: Tiny Workspaces, Brainstormen im Strandkorb und Arbeitsplätze im Café mit Meerblick

Arbeiten mit Aussicht – so geht Workation auf den Ostfriesischen Inseln. Der Trend, an Urlaubsorten zu arbeiten, wird auch an der Nordsee immer beliebter. Entsprechend haben die sieben Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge Möglichkeiten für motivierende Workation anzubieten: Auf Norderney sind seit letztem Jahr Tiny Workspaces buchbar, auf Borkum gibt es im Café Bakkerie sogar eigene Workation-Sets zu leihen. Darüber hinaus bieten viele Ferienwohnungen auf den Inseln gutes WLAN an, damit der Arbeit mit Meerblick nichts im Wege steht.

Mehr erfahren

Für einen Mehrgenerationenurlaub findet man in Tirol ideale Voraussetzungen: Ein lohnendes Ziel ist der Erlebnis- und Abenteuerberg Muttereralm. © Tirol Werbung, Rene Zangerl
16. Juni 2026

Pressemitteilung | Mehrgenerationenurlaub in Tirol: Mit Eltern und Großeltern durch die Klamm und auf Rätseljagd

Mit Oma und Opa an einem warmen Sommertag durch die Leutascher Geisterklamm oder zusammen mit den Eltern auf Rätseltour entlang des Moor & More Rocky Wegs am Wilden Kaiser. Ein Mehrgenerationenurlaub erfreut sich immer größerer Beliebtheit, weil gemeinsame Zeit ein kostbares Gut geworden ist. In Tirol finden Familien dafür ideale Voraussetzungen, unabhängig davon, ob drei Generationen oder nur die Großeltern mit den Enkelkindern verreisen, also ein sogenannter Skip-Gen-Urlaub. Schöne Erlebnisse mit der ganzen Familie versprechen im wahrsten Sinne viel Spaß für Groß und Klein.

Mehr erfahren

Der Baumkronenweg gehört jetzt zur WaldEntdeckerWelt. Es gibt viele Erlebnisstationen, neu ist unter anderem der Waldbodenweg. © WaldEntdeckerWelt
10. Juni 2026

Pressemitteilung | Familienurlaub in der Donauregion Oberösterreich: Neues Erlebnisbad im IKUNA, spannende WaldEntdeckerWelt und rätselhafte Outdoor Escapes

In der Donauregion Oberösterreich warten neue Abenteuer auf Groß und Klein: Das bei Familien beliebte IKUNA Naturresort startet mit einem neuen Erlebnisbad und einer Tierwelt in den Sommer, während sich der bekannte Baumkronenweg in die WaldEntdeckerWelt verwandelt. Im Herbst eröffnet hier zudem das neue Morgentau Spa. Neben den Neuheiten warten in der Region aber noch viele weitere Angebote, die einen schönen Familienurlaub garantieren.

Mehr erfahren