31. Oktober 2018

Winterwandern in Tirol: Ruhige Aussichten, viele Gämsen und abgelegene Hütten. Ein Liftbetreiber, ein Ranger und ein Wanderführer verraten ihre Geheimtipps

Wenn es um die schönsten Wege, die besten Aussichtspunkte und die ruhigsten Orte geht, kennen sich die Einheimischen meist am besten aus. So ist es auch in Tirol. Man muss sie nur fragen, die Ranger, Pistenraupen-Fahrer oder Wanderführer, und schon bekommt man nicht nur wertvolle Tipps, sondern meist auch noch spannende Geschichten dazu erzählt. Drei Tiroler stellen ihre liebsten Winterwanderungen vor:

Heinz Bodner, Gastwirt und Liftbetreiber, empfiehlt Kartitsch, das erste Winterwanderdorf

Heinz Bodner ist eigentlich Gastwirt in Kartitsch in Osttirol. Das kann ganz schön anstrengend sein. Da ist er froh, dass er gleichzeitig auch Liftbetreiber ist und eine Pistenraupe fahren kann. „Das Präparieren der Wege mit der Pistenraupe ist eigentlich nur mein Hobby“, sagt Bodner. „Aber eben ein besonders schönes, denn wenn ich über das Plateau fahre, die Wege walze und die Loipen spure, dann bin ich alleine. Manchmal sehe ich dabei ein Reh oder einen Hirsch. Hauptsächlich aber denke ich dann, wie schön es doch bei uns ist. Das ist für mich Entspannung, so schalte ich ab.“ Das Skigebiet in Kartitsch ist klein, es gibt nur einen Lift. Auch wenn es der längste Schlepplift Österreichs ist, deswegen kommen die Urlauber nicht. Es sind die von Bodner gewalzten Wege, die sie anziehen. Zwischen 1.350 und 2.000 Metern Seehöhe – Kartitsch liegt im Gailtal, dem höchsten Tal Osttirols – können Winterwanderer über acht zertifizierte und unterschiedlich lange Wege gehen. Überall finden sich winterfeste Rastplätze und gemütliche Gasthäuser am Wegesrand. Und auch der Rest der Infrastruktur ist hier auf Winterwanderer abgestimmt: es gibt zertifizierte Winterwanderbetriebe, spezielle Winterwander-Veranstaltungen, geführte Winterwanderungen und vieles mehr. Deswegen und wegen der Schönheit der Natur, hat sich Kartitsch nun zum ersten Winterwanderdorf Österreichs erklärt.

Sebastian Pilloni, Ranger, zeigt das Falzthurntal, das Königreich der Gämsen

Der Naturpark Karwendel ist sein Wohnzimmer. Hier ist er zu Hause, hier kennt er jeden Baum und jeden Gipfel. Sebastian Pilloni ist Ranger mit Leib und Seele. „Es ist egal, wie oft ich schon hier war und wie gut ich das Gebiet kenne, ich entdecke immer wieder etwas Neues – eine Pflanze oder ein unentdecktes Fleckchen. Manchmal muss man nur den Tieren oder den Tierspuren folgen und sich überraschen lassen. Die wissen nämlich am allerbesten, wo es besonders schön ist.“ Auch die Jahreszeiten verändern das Karwendel ständig. Und deswegen findet Pilloni Wanderungen, die im Sommer eher unspektakulär sind, im Winter plötzlich besonders schön, wie zum Beispiel den Weg von Pertisau zur Falzthurnalm. „Im Winter, wenn Schnee liegt, ist hier viel weniger los, man hat plötzlich ganz andere Perspektiven.“ Das Falzthurntal wird auch als Königreich der Gämsen bezeichnet und tatsächlich kann man sie mit etwas Glück auch in den verschneiten Felshängen stehen und fressen sehen. Wer nach der Falzthurnalm und dem Alpengasthaus Falzthurn, wo unter anderem Gamsbraten serviert wird, noch weiter wandert, kommt am Talschluss zur Gramaialm, wo man sich am gemütlichen Kachelofen bei Germknödel oder Kaiserschmarrn aufwärmen kann.

Marco Seitner, Bergwanderführer, wandert mit seinen Gästen von Ehrwald zur Gamsalm

Eigentlich sind ihm die Tage viel zu kurz. Vor allem im Winter. Wanderführer Marco Seitner wird ganz wahnsinnig, wenn er zu lange im Büro sitzt, nicht raus gehen kann. „Wenn ich an einem Tag tatsächlich mal überhaupt nicht vor die Tür komme, stehe ich am nächsten Tag extra früher auf und mache eine kleine Skitour“, sagt Seitner. „Dann geht es mir wieder gut. Den Tag vertrödeln, das liegt mir gar nicht. Ich muss in der Natur sein, etwas machen.“ Nachdem er als Wanderführer früher viele Fernwanderungen mit Gästen unternommen hat, weiß Seitner heute die eigene Heimat umso mehr zu schätzen. „Vier Jahre lang war ich unterwegs, in Frankreich, Slowenien, in der Schweiz oder in Bayern, wir haben Alpenquerungen gemacht und viele andere Touren. Aber irgendwann war es genug.“ Also kam er zurück nach Ehrwald, in die Tiroler Zugspitzregion und gründete seine eigene Alpinschule. Jetzt ist Seitner zu Hause angekommen und wandert nur noch durch die Berge vor der Haustür. Auch im Winter. Und gerne auch mit Gästen. Zum Beispiel über den Winterwanderweg von Ehrwald über den Häselgehr-Wasserfall bis zur gemütlichen Gamsalm. „Ein wunderbarer Weg draußen in der Natur. Der gefrorene Wasserfall sieht immer besonders beeindruckend aus, manchmal sind sogar Eiskletterer dran“, sagt Seitner. Nach dem Wasserfall geht es relativ flach bis zur St. Anna Kapelle und nach einem kleinen Anstieg ist man bei der Gamsalm, direkt unterhalb des Wettersteingebirges. Dort werden köstliche Tiroler Schmankerl serviert.

 

Mehr Infos und Tipps zu schönen Winterwanderwegen in Tirol unter: www.tirol.at/weitwandern


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Nina Genböck
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