31. Juli 2017

Almabtriebe im Tiroler Oberland: Die besten Kühe werden mit Milch- und Stech-Stafel geschmückt

Im Herbst gibt es in den Alpenregionen zahlreiche Almabtriebe. Was aber macht die Feierlichkeiten im Tiroler Oberland so besonders? Es ist vor allem die Tatsache, dass im Tiroler Oberland noch ganz traditionell gefeiert wird. Nichts wird für die Gäste inszeniert. Alte Traditionen, wie das Schmücken der besten Kühe mit Milch- und Stech-Stafel, werden aufrechterhalten. Es ist einfach die schönste Zeit, um die Region kennenzulernen und mit den Einheimischen zu feiern.

Almabtriebsfeste, Schafschoad und der Dreiländermarkt

Die arbeitsreiche Zeit auf den Almen geht im Herbst langsam zu Ende. Seit Jahrhunderten wird deshalb gefeiert, dass Mensch und Tier den Sommer unbeschadet auf den Almen überstanden haben. In der Zeit vom 14. bis 30. September stehen daher zahlreiche Veranstaltungen auf dem Programm – von den Almabtriebsfesten in Ried und Pfunds bis zur traditionellen Schafschoad und dem Dreiländermarkt in Pfunds. Insgesamt kommen knapp 2.000 Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen und Schweine, die den Sommer auf den Almen verbracht haben, zurück in die Orte. Beim alljährlichen Erntedank- und Apfelfest in Prutz am 24. September warten auf die Besucher musikalische und kulinarische Leckerbissen.

Besonderer Schmuck: beim Zahnen werden die Stafel-Träger festgelegt

Prächtig geschmückt kommen die Tiere bei den Festen rund um den Almabtrieb ins Tal. Für die Kuh, die während der Almsaison am meisten Milch gegeben hat, gibt es einen ganz besonderen Schmuck, den Milch-Stafel. Das Wort „Stafel“ kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „das Beste“, „das Stärkste“. Errechnet werden die Milchmengen der Kühe vom Bergmeister, dieser Vorgang nennt sich „Zahnen“. Das „Zahnen“ leitet sich von „zehn“ ab, denn früher wurden die Milchmengen in Zeitabständen von zehn Tagen gemessen.

Es bleibt übrigens bis zuletzt spannend: Erst im Tal, wenn die Tiere auf ihre Besitzer aufgeteilt werden, wird bekanntgegeben, welche Kuh den Milch-Stafel tragen darf. Der Kranz für diese besondere Kuh wird mit Holzminiaturen von Käseformen und Buttermodeln verziert.

Der Leitkuh steht der Stech-Stafel zu. Ein Spiegel auf dem Kranz des Stech-Stafels soll böse Geister vertreiben, die sich vor ihrem eigenen Spiegelbild erschrecken würden. Deshalb ist es auch die mit dem Stafel ausgezeichnete Kuh, die den Almabtrieb anführt, um Unheil vom Zug fernzuhalten.

 Weinlese auf Österreichs höchstem Weingut

Neben den Almabtrieben gibt es noch einen weiteren guten Grund für einen Herbsturlaub im Tiroler Oberland: Seiner geografischen Lage verdankt die Region ein besonders niederschlagsarmes und mildes Klima. Und damit ist der Herbst auch Weinlesezeit auf Österreichs höchstem Weingut auf 860 Metern in Prutz. Jeden Freitag führt Winzer Claus Aniballi Besucher durch sein Weingut Terra Austriacus und lässt die besonderen Tropfen natürlich auch verkosten.

 Herbstangebote: Fernsichtwanderungen, Kulturwanderungen und Radtouren

Auch nach den Almabtrieben sind zahlreiche Hütten und Almen noch geöffnet. Dazu gehören auch die Gogles-Alm oder das Hohenzollernhaus, die man bei geführten Wanderungen besuchen kann.

Gerade das einzigartige Licht im Herbst lässt eine der wöchentlich stattfindenden Fernsicht-Wanderungen zu einem besonderen Ausflug werden. Die Wanderführerin Gisela zeigt die schönsten Aussichtspunkte für Wildtierbeobachtungen. Damit diese Beobachtungen auch ganz klar und nah zu sehen sind, gibt es leihweise Swarovski-Ferngläser für alle Teilnehmer.

Ebenfalls ein Mal pro Woche ist am Vormittag die Kajetanbrücke Treffpunkt für eine Kulturwanderung. Im Mittelpunkt steht die geschichtsträchtige mittelalterliche Zollstation Altfinstermünz.

Kultur können aber nicht nur Wanderer, sondern auch Radler im Tiroler Oberland erleben: Von Prutz nach Pfunds begleitet ein Guide die E-Biker entlang des Via Claudia-Radweges und zeigt die schönsten Kultur-Highlights, bevor es zum Abschluss eine typische Tiroler Jause, die Marend, zur Stärkung gibt.


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Nina Genböck
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Das Tiroler Oberland vereint die Regionen Kaunertal, Fendels, Kauns und Kaunerberg, sowie Nauders am Reschenpass und die Orte Prutz, Ried, Tösens, Pfunds und Spiss.

Das Kaunertal mit seinen idyllischen Bergdörfern zählt zu den schönsten und ursprünglichsten Landschaften Tirols. Es ist Teil des Naturparks Kaunergrat, geprägt durch das Hochgebirge mit dem Kaunertaler Gletscher und eine artenreiche Flora und Fauna.

In Nauders ist die Nähe Italiens schon spürbar. Das Klima ist deutlich milder als im hochgebirgigen Kaunertal. Die stark terrassierte Landschaft zeigt, dass in der Region trotz ihrer Höhenlage schon seit Jahrhunderten Ackerbau betrieben wird.

Das Oberinntal mit seinen Orten von Prutz bis Pfunds ist geprägt von naturbelassenen Auwäldern im Tal und einzigartigen Hochtälern und Hochplateaus. Am Ende des Tals, auf 1.627 Metern über dem Meeresspiegel, liegt das Örtchen Spiss. Es ist Österreichs höchstgelegene Gemeinde.

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